Theaterprojekt voller Mut, Tiefe und Kreativität
Die Schülerinnen und Schüler der 2. Klasse haben im Theater Duo Fischbach in Küssnacht am Rigi ein überraschend reifes, berührendes und zugleich unterhaltsames Stück auf die Bühne gebracht. Unter der Leitung von Ariane Messmer haben sie mit beeindruckendem Engagement drei Geschichten entwickelt, die auf den ersten Blick unabhängig voneinander wirken, sich aber thematisch zu einem starken Gesamtbild verweben: dem Wunsch nach Gerechtigkeit, Freiheit und Zusammenhalt.

«Die Idee war, dass die Schülerinnen und Schüler in drei Gruppen arbeiten – denn 39 Jugendliche gleichzeitig auf der Bühne wären schlicht zu viel gewesen», so die Leiterin des Theaterprojektes, Ariane Messmer. «Jede Gruppe entwickelte ihre eigene Geschichte zum Thema Baustelle. Zwar gab ich ihnen vielfältige Inspirationen zu möglichen inhaltlichen, szenischen, stimmlichen und körperlichen Ausdrucksformen, doch die Umsetzung lag vollständig in ihren Händen. Die Jugendlichen arbeiteten selbstständig und erfinderisch. Im Zentrum standen Freude am gemeinsamen Spiel, Kreativität und die Präsenz der Jugendlichen selbst – nicht ein aufwendiges Bühnenbild; das war auch das Ziel dieses Projektes. Dieses Vertrauen in ihre Fähigkeiten haben sie mehr als eingelöst."
Sie übertrafen die Erwartungen und zeigten, wie viel künstlerisches Potenzial in ihnen steckt.
Ariane Messmer, Lehrperson Englisch / Projektleiterin Theater
Vorhang auf: Wenn Schüler zu Schauspielern werden
Schülerbericht von Arian und Victor, Klasse 2a
Am Montag begannen wir mit einer Einführung in die Theaterwelt, damit alle ein gemeinsames Grundverständnis bekamen. Wir sammelten fleissig Ideen, um sie anschliessend in ein fertiges Skript zusammenzufassen. Am Dienstag haben wir unsere Stücke dann weiter verfeinert und mit den ersten Proben begonnen.
Letzte Woche verwandelte sich unsere Schule in eine Theaterbühne. Bei der Projektwoche unter dem Motto «Baustelle» stellten wir in nur drei Tagen ein komplettes Theaterstück auf die Beine.
Arian und Victor, Klasse 2a
Am Mittwoch haben wir intensiv weitergeprobt und unsere Szenen in die finale Form gebracht. Ausserdem haben wir das Stück vor allen anderen vorgetragen, um erste wertvolle Rückmeldungen zu bekommen.
Dann kam der grosse Tag der Aufführung! Am Morgen haben wir unsere Stücke ein letztes Mal vor der Generalprobe geübt. Danach haben wir uns ins Theater Duo Fischbach begeben. Als wir dort ankamen, bekamen wir als Erstes eine Führung durch das Haus und man hat uns die Technik des Theaters vorgestellt. Gemeinsam mit dem Techniker machten wir eine weitere Probe, um das richtige Licht und die passenden Soundeffekte abzustimmen. Als dies erledigt war, haben wir nach einer kurzen Pause die Generalprobe durchgeführt.
Von Lampenfieber bis zum grossen Applaus
Wir waren alle nervös, denn der Auftritt kam immer näher. Doch als sich am Abend schliesslich der Vorhang öffnete und wir das Publikum sahen war das Lampenfieber immer noch da. Unsere «Baustelle» erwachte zum Leben! Wir gaben alle unser Bestes und der Applaus am Ende war für uns der absolute Höhepunkt und der schönste Lohn für die harte Arbeit. Ein unvergessliches Erlebnis!
Kampf um faire Bedingungen
Eindrücke einer Zuschauerin
In der ersten Geschichte zeigen die Jugendlichen die harte Realität vieler Arbeiter: lange Tage, wenig Lohn, kaum Perspektiven. Die Unzufriedenheit auf der Baustelle wächst, bis die Arbeiter sich zusammenschliessen und ihren Chef absetzen. Ein selbstbewusster Arbeiter übernimmt die Führung – ein Symbol dafür, dass Menschen gemeinsam Missstände verändern können.
Hoffnung auf ein neues Leben
Die zweite Episode zeigt einen von vielen möglichen Wegen, die in die Realität der ersten führen können. Eine Mutter bringt in Afghanistan Zwillinge zur Welt und zieht sie liebevoll gross. Als der Krieg ausbricht, bleibt den Brüdern nur die Flucht in die Schweiz. Später arbeiten sie auf einer Baustelle, wo einer der beiden in einen tragischen Unfall gerät und zu Unrecht verhaftet wird. Erst die Aussage einer Zeugin führt zu seiner Freilassung. Die überraschende Wendung: Die Zeugin ist blind. Die Szene zeigt eindrücklich, wie schnell Vorurteile entstehen – und wie wichtig es ist, genau hinzusehen.
Verführung, Abhängigkeit und Befreiung
In der dritten Geschichte wirkt die Arbeit zuerst fröhlich und unbeschwert. Doch hinter der anmutenden Tanzszene verbirgt sich etwas Dunkles: Eine vermummte Figur hält die Tänzerinnen in einem unheimlichen Bann. In Teamarbeit schaffen es die anderen, die beeinflusste Gruppe zu befreien. Der Vermummte wird schliesslich überwältigt und ausser Gefecht gesetzt, sein Einfluss zerbricht, und die Gruppe gewinnt ihre Freiheit zurück – ein versöhnliches Ende, das die Kraft des Zusammenhalts betont.
An diesem Abend wurde für mich sichtbar, wie eindrucksvoll junge Menschen gesellschaftliche Themen erfassen, reflektieren und kreativ umsetzen.
Claudia Balzli-Leone, Marketing & Kommunikation
Die von den motivierten Jugendlichen gezeigten Erzählstränge berühren alle denselben Kern: Es geht um Ungerechtigkeit – ob auf der Baustelle oder im Gerichtssaal. Sie machen Gemeinschaftssinn sichtbar – etwa bei Arbeitern, die sich zusammenschliessen. Und sie zeigen, wie sich Wahrheit durchsetzt und das Böse besiegbar ist. Es braucht Mut, aufzustehen und sich zu wehren, zu fliehen und sich für Unschuldige einzusetzen.
Das Theaterstück – wie erwähnt fast ohne Requisiten und getragen von Sprache, Spiel, Gesang und Tanz – erzählt auf eindrückliche Weise von Menschlichkeit. Die jungen Darstellerinnen und Darsteller haben mit Ernsthaftigkeit, Spielfreude und bemerkenswerter Reife in nur drei Tagen eine starke Darbietung entwickelt, die das Publikum berührt und mit verdientem Applaus belohnt wurde.




