Pädagogik

Digitale Holocaust-Bildung: App-Test am Gymi Immensee

Die Web‑App «Fliehen vor dem Holocaust», entwickelt von der Pädagogischen Hochschule Luzern und internationalen Partnern, hat sich seit ihrer Veröffentlichung 2018 zu einem preisgekrönten Lernangebot entwickelt. Ab Juni 2026 steht sie erstmals kostenlos online zur Verfügung – und bietet Lehrpersonen noch bessere Möglichkeiten, das Thema Flucht während des Holocaust zeitgemäss und wirkungsvoll zu vermitteln.

Foto: Nadia Schärli

Die Bildungsmedien, die an der PH Luzern entwickelt werden, werden zusammen mit Mitarbeitenden in der Praxis getestet. So fand eine weitere Erprobung der App «Fliehen vor dem Holocaust» in der Geschichtsklasse von Dr. Lukas Tobler am Gymnasium Immensee statt.

Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

Die Geschichte der systematischen Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden durch das NS-Regime sowie deren Ursachen und Folgen ist ein Pflichtthema in Schulen der Sekundarstufen und kann auf unterschiedlichste Weisen sowie mit verschiedenen Zielsetzungen vermittelt werden. Als besonders geeignet hat sich in den letzten Jahrzehnten die persönliche Begegnung mit Menschen herausgestellt, die den Holocaust erlitten und überlebt haben. Dies wird aber immer schwieriger. Die Web-App «Fliehen vor dem Holocaust. Meine Begegnung mit Geflüchteten» ermöglicht eine medial vermittelte, individuelle Begegnung der Schülerinnen und Schüler mit Holocaust-Überlebenden.

Die App erzählt – didaktisch aufbereitet und für Lernprozesse optimiert – die Geschichte von fünf Menschen, die sich mit einer Flucht vor dem verbrecherischen Nazi-Regime retten konnten. Sie kann in unterschiedlichen Lernformen eingesetzt werden und ermöglicht Lernenden einen kompetenten Umgang mit Geschichte und Erinnerung, einen verantwortungsvollen Umgang mit Gesellschaft und einen reflektierten Umgang mit sich selbst.

Das Interview des Zeitzeugen und die Begegnung mit ihm eröffnete mir eine neue, interessante Perspektive auf das Geschehen

Maddox Plewa, Schüler

Digitale Lernwege, die Vergangenheit und Gegenwart von Flucht verbinden

Mit der Web-App lernen die Schülerinnen und Schüler auf eigenen Wegen. Sie haben verschiedene Wahlmöglichkeiten, sei es bei den flüchtenden Menschen, den Materialien oder den Lernszenarios, und halten ihre Erkenntnisse in einem Album fest. Dr. Lukas Tobler, der neben seiner Unterrichtstätigkeit auch an der Pädagogischen Hochschule Luzern arbeitet und dort unter anderem im Bereich der Holocaust Education tätig ist, erachtet vor allem auch den Lebenswelt- und Gegenwartsbezug als zentral: «Die Fluchtgeschichten liegen zwar zeitlich weit zurück, aber die Lernenden werden in der App darauf hingeleitet, dass auch heute Menschen fliehen, und mit der Frage konfrontiert, wo sie in ihrer Umgebung solchen Menschen begegnen und was ihnen helfen kann.»

Dr. Hans Utz, der im internationalen Entwicklerteam mitgearbeitet und die Schulerprobung am Gymnasium Immensee begleitet sowie beobachtet hat, weist auf die Wichtigkeit des Albums hin, das alle Schülerinnen und Schüler mit der App entwickeln: «Geschichtsbildung gelingt besser in der Gemeinschaft. Deshalb ist die Auswertung der Arbeit mit der Web-App in der Klasse von grosser Bedeutung. Dafür eignen sich die unterschiedlichen Alben der Lernenden ausgezeichnet, weil damit wichtige Gespräche angestossen werden.»

Das Interview war sehr eindrücklich. Es ist etwas ganz anderes als die übliche Methode der Geschichtsvermittlung: Die Ereignisse unmittelbar von jemandem zu hören, der sie selbst erlebt hat.

Leah-Sophie Käppeli, Schülerin

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Fotos: Nadia Schärli

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Die Luzerner Zeitung hat über den Praxistest der Web‑App «Fliehen vor dem Holocaust. Meine Begegnung mit Geflüchteten» berichtet und das Projekt in einem eigenen Artikel vorgestellt. Der vollständige Artikel bietet einen vertieften Einblick in den Praxistest – das PDF steht hier bereit:

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