Elternforum - Zwischen Silbertablett und Schulalltag
Ob ein perfekt gedeckter Tisch im Windsor Castle oder ein makellos gereinigtes Auto: Viele Aufgaben wirken simpel, sind aber das Ergebnis sorgfältiger Arbeitsschritte. Genau diese Haltung prägt auch den Schulalltag am Gymnasium Immensee. Die Zentralschweizer Butlerin des englischen Königshauses berichtete, wie bewusstes Hinschauen, strukturiertes Arbeiten und ein Gespür für Qualität uns alle stark machen.

Zu verdanken haben wir diese und andere Informationen dem Elternrat des Gymnasium Immensee. Er organisierte am letzten Mittwoch im Theatersaal des Gymi Immensee ein Elternforum mit der gebürtigen Nidwaldner Bauerntochter Zita Langenstein, die vor rund 20 Jahren als erste Frau an der Ivor Spencer School in London ihre Ausbildung zum dipl. Butler abschloss, dabei mit ihrer Abschlussarbeit zum traditional afternoon tea nach Schweizer Art den ersten Preis gewann und seither unter anderem im Britischen Königshaus ein- und ausgeht. Am Beispiel einer Taxifahrt illustrierte Zita Langenstein eindrücklich, worin Service Excellence besteht.
Qualität erlebbar machen
Es geht also darum, das Gewöhnliche aussergewöhnlich gut zu tun. Zum Beispiel beim Decken einer Tafel. In Windsor Castle funktioniert das so, dass von der Decke hinunter computergesteuert mittels Laser die millimetergenaue Lage der Gedecke auf das Tischtuch projiziert wird. «Früher dauerte das Decken eines Tisches für 300 Gäste rund eine Woche, jetzt ist es noch ein Tag», sagte Zita Langenstein dem gebannt zuhörenden Publikum.
Aber was hat das mit dem Gymi Immensee zu tun? «Auch als Schule kann man Qualität erlebbar machen», sagte Zita Langenstein, die momentan als Leiterin Weiterbildung bei GastroSuisse einen Lehrgang als Tee-Sommelier aufbaut. «An erster Stelle steht in der Deutschschweiz die Zuverlässigkeit, gefolgt von der Fach- und Leistungskompetenz, der Freundlichkeit, dem Einfühlungsvermögen und dem Funktionieren der Infrastruktur». Besonders hob sie die Zuverlässigkeit der Stundenpläne an Schweizer Schulen hervor: «Sie sind einfach da – und sie gehen auf!».
Am Wichtigsten, so Zita Langenstein, sei aber die in einer (Schul-)Gemeinschaft gelebte Haltung. Ein respektvoller Umgang entsteht dabei nicht in erster Linie durch Regeln, sondern durch ein kollektives Verantwortungsgefühl.
Die Stundenpläne sind einfach da - und sie gehen auf!
Zita Langenstein, Butleresse und Leiterin Weiterbildung bei GastroSuisse
Zeitung mit Bundfalten
Das Versprechen der Butler, ausser Prostitution und kriminellen Handlungen jeden Wunsch anzunehmen, treibt mitunter bunte Blüten. «Oft wissen wir uns aber zu helfen», verriet Zita Langenstein. « Wenn jemand um 3 Uhr morgens im Engadin gebratene Egli bestellt, dann gehen wir davon aus, dass er Egli von anderen Fischsorten nicht unbedingt unterscheiden kann.» Zum erwartbaren Service gehört indes das Bügeln der Zeitung – bei Seidentemperatur – inklusive Bundfalten.
«Wenn die Aktien des Hausherrn über Nacht gesunken sind, nehme ich den Wirtschaftsteil heraus», sagt sie. Und was macht man, wenn man mit schwierigen (im Fachjargon «adventurous») Kunden zu tun hat? «Schreienden Menschen begegnen wir, in dem wir schweigend stehenbleiben und den Blickkontakt suchen». Jede Menge Inspiration also für das dankbar applaudierende Publikum, den Alltag in Beruf und Familie bei aufreizender Freundlichkeit alternativ anzugehen und sich – wie Zita Langenstein – mit Dienen glücklich zu machen.






